Vom 20. bis 24. Juli 2026 wurde die Likedeeler im Rostocker IGA Park für fünf Tage zu einem besonderen außerschulischen Lern- und Forschungsort. Beim Sommercamp der „Insektive“ gingen die teilnehmenden Kinder und Jugendlichen der Vielfalt des Lebens im Wasser, an Land und in der Luft auf den Grund. Gemeinsam mit Mitarbeitenden der Fachdidaktik Biologie der Universität Rostock sowie ehrenamtlichen Kräften von MikroMINT wurde gesammelt, beobachtet, mikroskopiert, bestimmt und dokumentiert.

Die besondere Lage der Likedeeler bot dafür ideale Voraussetzungen: Direkt am Wasser konnten die jungen Forschenden eigene Proben nehmen und anschließend in den Arbeitsräumen an Bord genauer untersuchen. So entstand eine unmittelbare Verbindung zwischen der praktischen Arbeit im Freiland und der wissenschaftlichen Auswertung im Labor.

Mit Kescher und Probenschale am Wasser

Ein wichtiger Bestandteil des Sommercamps war die Untersuchung der Lebensräume rund um die Likedeeler und den IGA Park. Ausgestattet mit Keschern, Eimern, Probenschalen und Sammelgefäßen machten sich die Teilnehmenden am Hafenbecken auf die Suche nach kleinen Wasserlebewesen und weiteren biologischen Spuren.

Dabei ging es nicht nur darum, möglichst viele Tiere oder Pflanzen zu entdecken. Die Kinder und Jugendlichen lernten auch, wie Proben vorsichtig und verantwortungsvoll entnommen werden, wie unterschiedliche Bereiche eines Gewässers untersucht werden können und warum ein behutsamer Umgang mit Lebewesen besonders wichtig ist.

Schon am Steg zeigte sich, wie viel es in einem scheinbar ruhigen Gewässer zu entdecken gibt. Gemeinsam wurde genau hingeschaut: Was bewegt sich zwischen den Steinen? Welche kleinen Organismen befinden sich im Wasser? Welche Unterschiede lassen sich zwischen den einzelnen Proben erkennen? Die unmittelbare Nähe zum Untersuchungsort machte biologische Zusammenhänge anschaulich und greifbar.

Von der Freilandprobe zum Forschungsobjekt

Nach der Probennahme wurden die Funde an Bord der Likedeeler weiter untersucht. In kleinen Aquarien und transparenten Gefäßen konnten die Organismen zunächst unter möglichst natürlichen Bedingungen beobachtet werden. Dabei wurden Bewegungen, Körperformen und besondere Merkmale miteinander verglichen.

Die Kinder und Jugendlichen lernten, dass wissenschaftliches Arbeiten häufig mit einer einfachen, aber wichtigen Fähigkeit beginnt: dem genauen Beobachten. Erst danach folgten Fragen wie:

  • Welche Merkmale sind besonders auffällig?
  • Wo wurde der Organismus gefunden?
  • Wie bewegt er sich?
  • Welche Lebensbedingungen benötigt er?
  • Zu welcher Tier- oder Organismengruppe könnte er gehören?

Bestimmungsliteratur, Bildmaterial und vorbereitete Arbeitsunterlagen halfen dabei, die Beobachtungen einzuordnen. Statt vorgefertigte Antworten zu erhalten, konnten die Teilnehmenden selbst Vermutungen entwickeln, vergleichen und überprüfen.

Mikroskopieren wie im biologischen Labor

Ein besonderer Schwerpunkt des Sommercamps lag auf der Arbeit mit Mikroskopen und Stereolupen. Die Arbeitsplätze an Bord waren mit unterschiedlichen Geräten ausgestattet, sodass sowohl größere Wasserorganismen als auch sehr kleine Strukturen untersucht werden konnten.

Unter fachlicher Anleitung wurden Proben vorbereitet, auf Objektträgern platziert und schrittweise scharfgestellt. Für viele Teilnehmende war es ein beeindruckender Moment, wenn sich unter dem Mikroskop plötzlich Strukturen zeigten, die mit bloßem Auge kaum oder gar nicht erkennbar waren.

Auch digitale Technik kam zum Einsatz. Durch die Verbindung von Mikroskopen mit Kameras, Smartphones oder Monitoren konnten Beobachtungen gemeinsam betrachtet, vergrößert und dokumentiert werden. Das erleichterte nicht nur die Bestimmung, sondern ermöglichte auch den Austausch innerhalb der Gruppe: Entdeckungen konnten direkt gezeigt, besprochen und miteinander verglichen werden.

Die Kinder und Jugendlichen erhielten auf diese Weise einen praxisnahen Einblick in biologische Arbeitsmethoden. Sie erfuhren, wie wichtig eine sorgfältige Vorbereitung, ruhiges Arbeiten und eine genaue Dokumentation für verlässliche Untersuchungsergebnisse sind.

Lebensräume verstehen und Artenvielfalt entdecken

Das Sommercamp verband einzelne Beobachtungen immer wieder mit größeren ökologischen Zusammenhängen. Die untersuchten Organismen wurden nicht isoliert betrachtet, sondern als Teil ihrer jeweiligen Lebensräume.

Gemeinsam wurde darüber gesprochen, welche Bedeutung Wasserqualität, Temperatur, Licht, Pflanzenbewuchs und Nahrungsangebote für Tiere und andere Organismen haben. Auch menschliche Einflüsse auf Lebensräume spielten eine Rolle. Damit wurde deutlich, dass biologische Vielfalt nicht selbstverständlich ist, sondern von vielen miteinander verbundenen Faktoren abhängt.

Die Arbeit im IGA Park bot hierfür besonders vielfältige Möglichkeiten. Wasserflächen, Uferbereiche, Grünflächen und unterschiedliche Vegetationsstrukturen liegen eng beieinander und bilden Lebensräume für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten. Das Camp machte sichtbar, dass spannende Forschungsfragen nicht nur in weit entfernten Regionen entstehen, sondern direkt vor der eigenen Haustür.

Nachtaktive Insekten im Fokus

Ein weiterer Höhepunkt war die Beobachtung nachtaktiver Insekten. Mit einer hell beleuchteten weißen Fläche wurde eine klassische Methode der Insektenbeobachtung eingesetzt. Das Licht lockte verschiedene nachtaktive Tiere an, die anschließend aus nächster Nähe betrachtet werden konnten.

Die ungewöhnliche Atmosphäre in der Dunkelheit sorgte für besondere Aufmerksamkeit. Während tagsüber vor allem Wasserproben und mikroskopische Untersuchungen im Mittelpunkt standen, eröffnete die Nachtbeobachtung einen ganz anderen Zugang zur biologischen Vielfalt.

Die Teilnehmenden erfuhren, warum viele Insekten erst nach Sonnenuntergang aktiv werden, wie sie sich orientieren und welche Rolle sie im Ökosystem spielen. Zugleich wurde auf einen vorsichtigen und respektvollen Umgang geachtet. Die Tiere wurden beobachtet und dokumentiert, ohne sie unnötig zu beeinträchtigen.

Gerade diese Verbindung aus eigenem Erleben, fachlicher Erklärung und unmittelbarer Naturbeobachtung machte die Abendaktion zu einem besonderen Bestandteil des Camps.

Wissenschaft lebt vom gemeinsamen Entdecken

Das Sommercamp der „Insektive“ zeigte eindrucksvoll, wie gut sich wissenschaftliche Methoden, Naturerfahrung und gemeinsames Lernen miteinander verbinden lassen. Die Teilnehmenden waren nicht nur Zuhörerinnen und Zuhörer, sondern wurden selbst aktiv: Sie stellten Fragen, nahmen Proben, bedienten Forschungsgeräte, suchten in Bestimmungsliteratur und diskutierten ihre Beobachtungen.

Dabei standen nicht allein die gefundenen Organismen im Mittelpunkt. Ebenso wichtig waren Neugier, Geduld, Teamarbeit und die Bereitschaft, eine erste Vermutung noch einmal zu überprüfen. Auch vermeintlich kleine Entdeckungen konnten zu neuen Fragen führen und weitere Untersuchungen anregen.

Die Mitarbeitenden der Fachdidaktik Biologie der Universität Rostock brachten ihre fachwissenschaftliche und pädagogische Erfahrung in das Camp ein. Die ehrenamtlichen Kräfte von MikroMINT unterstützten die Teilnehmenden an den Forschungsstationen, bei der Arbeit mit den Mikroskopen, bei den Freilandaktivitäten sowie bei der Durchführung der vielfältigen praktischen Angebote.

Diese Zusammenarbeit ermöglichte eine intensive Betreuung und schuf zugleich Raum für individuelles Entdecken und Ausprobieren.

Außerschulische MINT-Bildung mit nachhaltiger Wirkung

Für MikroMINT sind Formate wie das Sommercamp ein wichtiger Bestandteil moderner außerschulischer Bildungsarbeit. Naturwissenschaftliche Themen werden besonders dann verständlich, wenn Kinder und Jugendliche eigene Erfahrungen sammeln und mit professionellen Werkzeugen arbeiten können.

Die Kombination aus Freilandforschung, Mikroskopie, digitaler Dokumentation und ökologischer Einordnung stärkte nicht nur biologisches Wissen. Sie förderte zugleich wichtige Kompetenzen wie sorgfältiges Arbeiten, kritisches Vergleichen, problemlösendes Denken und die verständliche Darstellung eigener Beobachtungen.

Das Camp machte außerdem deutlich, welche Bedeutung ehrenamtliches Engagement für solche Bildungsangebote besitzt. Erst durch die gemeinsame Arbeit von Universität, fachlich erfahrenen Betreuenden und freiwillig Engagierten können intensive Forschungsformate mit kleinen Gruppen und zahlreichen praktischen Stationen umgesetzt werden.

Nach fünf abwechslungsreichen Tagen endete das Sommercamp mit vielen neuen Eindrücken, selbst gewonnenen Erkenntnissen und einer geschärften Wahrnehmung für die biologische Vielfalt im eigenen Umfeld. Die Likedeeler und der IGA Park wurden dabei zu einem lebendigen Forschungslabor – mitten in Rostock.

Kontakt

MikroMINT e.V. – Schülerforschungszentrum Rostock
Ansprechpartnerin: Rebecca Kain
Kontaktaufnahme über die MikroMINT-Webseite und die bekannten Vereinskanäle

Bildhinweis: Die Aufnahmen zeigen die Probennahme am Wasser, die Arbeit an den Mikroskopen und Stereolupen, die Untersuchung in kleinen Aquarien sowie die nächtliche Beobachtung von Insekten während des Sommercamps.